autworker logo
     Ein Projekt von
autsocial e.V.


Fokusgruppe Treffen und Themen

Fokusgruppe Autismus und Forschung nach oben

Über die letzten Jahrzehnte hat die Autismusforschung maßgeblich das Bild bestimmt, das nicht-autistische Menschen von autistischen Menschen haben. Die Beziehung zwischen beiden Bevölkerungsgruppen wurde daher auch stark von der Autismusforschung beeinflusst. Die Autismusforschung basiert aber in weiten Teilen auf dem Blick von außen auf autistische Menschen und hat - wie die Diagnostik und fast alle Therapieansätze auch - das Verhalten autistischer Menschen im Visier. Ihre Methoden und auch ihre Theoriebildung entsprechen auf grundlegende Weise dieser Perspektive.

In den letzten Jahren ist die Autismusforschung zunehmend mit den Grenzen dieser Perspektive konfrontiert. Theorieansätze scheinen entweder nur zu manchen - wenigen - autistischen Menschen zu passen oder sind so abstrakt, dass es kaum möglich erscheint, sie auf konkrete Sachverhalte herunter zu brechen. Therapie und Forschung gehen getrennte Wege. In seinem Buch "Autismus und ADHS" beschreibt Prof. Ludger Tebartz van Elst sehr anschaulich und treffend dieses Dilemma.

Die Fähigkeitenworkshops haben ein ganz anderes Forschungsfeld eröffnet: Knapp 1000 autistische Menschen habe diese Workshops im Lauf der Jahre besucht und uns ein anderes - von der offiziellen Forschung unabhängiges - Bild vermittelt. Ein Bild von autistischen Menschen und eines von Autismus überhaupt. Es ist ein Feld, das eine Forschung von innen ermöglicht, eine, die das Erleben und die Lebenswelt autistischer Menschen zum Fokus hat und in der es um das geht, worum es eigentlich im Autismus geht: Um Denken und Wahrnehmen. Hajo Seng ist dabei, dieses Feld für eine Forschung zu erschließen und arbeitet an einer entsprechenden Dissertation bei Prof. Georg Theunissen an der Universität Halle.

In dieser Fokusgruppe treffen sich autistische Menschen, die wissen wollen, was Autismus ist, ihr eigener wie auch der anderer autistischer Menschen. Wir haben und vorgenommen, jedes Treffen unter ein Thema oder eine Fragestellung zu stellen und die Gespräche darüber schriftlich festzuhalten.

Treffen und Themen nach oben

16.6.2017: Neurodiversity

Beschreibung folgt

21.4.2017: Autismus und schizoide Störungen

Das Thema "Autismus und schizoide Störungen" soll bei diesem Treffen weiter vertieft werden.

17.3.2017: Treffen ohne festgelegtes Thema

Diesmal treffen wir uns ohne ein vorab festgelegtes Thema.

17.2.2017: Ein strukturaler Ansatz, Autismus zu verstehen

Die gängigen Diagnosestandards haben fast ausschließlich das Verhalten im Blick, um darin Autismus zu erkennen und festzustellen. Das Verhalten aber ist auch immer der Blick von außen, von nicht-autistische Menschen - mit ihren Vorstellungen, Normen und Selbstverständlichkeiten - auf autistische Menschen. Im Verhalten autistischer Menschen drückt sich auch nicht Autismus "an sich" aus, sondern eher die Strategien, die autistische Menschen entwickeln, um in einer nicht-autistisch geprägten sozialen Welt zu bestehen. Wer als autistischer Mensch den eigenen spezifischen Autismus zu entdecken versucht, bemerkt schnell, dass er sämtliche Lebensbereiche durchzieht, nicht nur Wahrnehmen und Denken, auch den eigenen Körper, Lebensgefühl und Gesundheit - und auch das eigene Verhalten als eines von vielen Aspekten. Es ist eine spezifische Struktur, die den eigenen Autismus, das eigene Autistisch-sein ausmacht und alle Lebensbereiche durchzieht. In dieser Sitzung geht es darum, diese Struktur offen zu legen.

19.1.2017: Autismus und schizoide Störungen

Historisch gibt es eine enge Verbindung zwischen Autismus und "den Schizophrenien", zumal der Bergiff Autismus seinen Ursprung in den Veröffentlichungen Eugen Bleulers zum Thema Schizophrenie hat. Die Ursprünge des heutigen Autismus-Begriffs liegen ja in Veröffentlichungen Leo Kanners und Hans Aspergers in den 1940-er Jahren, wo beide Autoren versuchen, mit dem Autismus eine psychische Gegebenheit von den Schizophrenien abzugrenzen. Für diese historische Dimension sei ein Text von Leo Kanner aus dem Jahr 1965 empfohlen: http://neurodiversity.com/library_kanner_1965.html. Bei unserem Treffen wollen wir das Thema Abgrenzung zwischen Autismus und "schizoiden Störungen", wie es heute heißt, genauer beleuchten.

9.12.2016: Besuch aus Halle

Eine Studentin der Erziehungswissenschaften aus Halle wird zu unserem Treffen kommen. Sie möchte gerne Interviews für ihre Masterarbeit bei Prof. Theunissen führen und im Gegenzug unseren Fragen zu ihren methodischen Ansätzen und dem Studium bei Herrn Theunissen zu Verfügung stehen.

25.11.2016: Autistische Wahrnehmung und Spiritualität

Die - zumindest mitteleuropäische - Gesellschaft entwickelt sich in eine Richtung, in der Werbung, der meist sprachlich vermittelte Schein, immer wichtiger werden und immer mehr Lebensbereiche durchdringen. Diese Entwicklung führt zugleich auch zu einer zunehmenden Exklusion autistischer Menschen. Eine sprachlich vermittelte Werbewelt entspricht nur sehr wenig ihrer Art des Denkens und Wahrnehmens - wenn überhaupt. Durch die Verlagerung der Wirklichkeit in Bereiche, die sprachlich vermittelt sind, Werbung, soziale Netzwerke, Massenmedien etc., verlagert sich der Blick der Menschen mehr und mehr von innen nach außen. Das "Ich" als Zentrum dieser Perspektive wird dabei immer mächtiger - und zugleich auch scheinhafter.

Autistische Menschen sind eher geneigt, nach innen zu blicken - anders als nicht-autistische Menschen, denen der Blick nach außen als "natürlich" erscheint. Der Blick nach innen ist aber auch der, der in der Meditation gesucht wird. Er führt über die Grenzen des eigenen "Ichs" hinaus, das in dieser Perspektive nicht größer wird, sondern verblasst und am Ende verschwindet. Ein solches Erleben ist im eigentlichen Sinne ein spirituelles Wahrnehmen, eines, in dem die Dinge nicht mehr getrennt sind sondern untrennbar miteinander verbunden sind. Ist autistisches Wahrnehmen ein spirituelles Wahrnehmen?